Institut für Sozialwissenschaften Forum – Forschungszentrum für Europäische Ethnologie

Institut für Sozialwissenschaften Forum – Forschungszentrum für Europäische Ethnologie

Das Forschungszentrum für Europäische Ethnologie des Instituts für Sozialwissenschaften Forum wurde am 1. Oktober 1997 mit dem Ziel gegründet, den institutionellen Hintergrund für die ethnologische Forschung der ungarischen Volksgruppe in der Slowakei zu schaffen. Es geht um eine, von den jeweiligen slowakischen Regierungen unabhängige, zivile Organisation. Ihre Tätigkeit wird durch Hilfe verschiedener in- und ausländischen Stiftungen gesichert. Die Aufgaben werden von zwei festgestellten Mitarbeitern (Direktor: Dr. József Liszka, Ethnologe und Bibliothekarin-Dokumentatorin: Ilona L. Juhász), sowie von etwa anderthalb bis zwei Dutzend ehrenamtlichen Mitarbeitern wahrgenommen, die sich an den einzelnen konkreten Forschungsprojekten beteiligen.

Zielsetzungen und Aufgaben des Forschungszentrums für Europäische Ethnologie des Instituts für Sozialwissenschaften Forum:

1. Ethnologische Erforschung der Volkskultur der ungarischen Volksgruppe in der Slowakei (Hauptschwerpunkte der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit)

Neben der Untersuchung der traditionelen Forschungsgebiete der Volkskunde legt das Forschungszentrum für Europäische Ethnologie einen besonderen Akzent sowohl auf die Erforschung der interethnischen Beziehungen, als auch auf die Erforschung von Änderungen der (Volks)Kultur; dabei werden auch die historischen (besonders siedlungsgeschichtlichen) Aspekte berücksichtigt. Unter Berücksichtigung und Verwendung von neuesten theoretisch-methodischen Ergebnissen der Volkskunde möchte das Forschungszentrum eine moderne ungarische Werkstätte (in der Slowakei) der Europäischen Ethnologie sein. Um seine Ziele zu erreichen, erarbeitet und verwirklicht es verschiedene Forschungsprogramme, bzw. beteiligt sich an solchen (auch internationel) Projekten. Die schon realisierte bzw. auch zur Zeit aktuellen Projekte des Forschungszentrums sind:

– Interethnische Beziehungen im nordwestlichen Teil des Karpatenbeckens
– Slowakisch-ungarisch-deutsche ethnokulturelle Beziehungen im Preßburgerland
– Ethnische Verhältnisse in Komorn im 20. Jahrhundert
– Dokumentation von sakralen Kleindenkmälern in der Süd-Slowakei
– Volkskundliche Bibliographie zur ungarischen Volksgruppe in der Slowakei
– Lokale Identität und interethnische Beziehungen in drei ausgewählten Ortschaften der Süd-Slowakei
– Die Popularkultur der ungarischen Volksgruppe in der Slowakei um die Jahrtausendwende

Die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit sind:

a) Erforschung interethnischer Beziehungen
Da in der vergangenen Jahrhunderten in der südlichen Grenzzone der heutigen Slowakei, in erster Linie in Dörfern und Kleinstädten, mehr als eine halbe Million Ungarn mit anderen Ethnien (vorwiegend mit Slowaken, Deutschen, Kroaten, Ruthenen, Juden und Roma/Zigeunern) in ständiger Wechselwirkung zusammengelebt haben, kann das Wesen der ungarischen Volkskultur in der Slowakei ohne die Erschließung der interethnischen Beziehungen zu diesen Ethniken einfach nicht verstanden werden. Das Forschungszentrum für Europäische Ethnologie untersucht sowohl die historischen Wurzeln dieser Beziehungen, als auch deren gegenwärtigen Äußerungsformen.

b) Erforschung der Volksfrömmigkeit
Erforschung, Dokumentation und Präsentation von Andenken der Volksreligiösität in vielen Teilen Europas haben eine alte Tradition und diese funktionieren in institutionellen Rahmen; demgegenüber gibt es in Ost-Mittel-Europa keine wesentlichen Traditionen desselben. Auf dem ganzen ungarischen Sprachgebiet, und auch in der Slowakei, gibt es keine solche Institutionen, Museen oder Organisationen, die sich mit dieser Gedenk- und Denkmalgruppe beschäftigen, obwohl sie eine große religiöse, kulturhistorische, ethnologische und kunsthistorische Bedeutung hat.
Aber gerade diese Andenken und Denkmäler von Volksfrömmigkeit und Privatandacht sind am meistens bedroht; und wenn der erste Schritt nicht rechtzeitig getan wird, muß mit unersetzlichen Schäden gerechnet werden. Es geht um Hochkreuze, Kreuzbilder, Bildstöcke an den Straßen, um auf Baumstämme gefestigte Bilder (Bildbäume), um Statuen von Heiligen, um Weg- und Grabkapellen, um Grabzeichen an Friedhöfen usw. Diese Denkmäler befinden sich im Inneren der Siedlungen bzw. in der Feldmark dieser. Mit Dokumentation und Schutz dieser beschäftigte sich bis jetzt auf unserem Gebiet niemand. Um diesen Mangel zu beseitigen, ist am Forschungszentrum für Europäische Ethnologie das Archiv für sakrale Kleindenkmäler gegründet worden, das zur Zeit in der Region einmalig ist. Es geht um eine solche, ständig wachsende Datenbasis, die die sakralen Kleindenkmäler der gegeben Region in ihren Geschichtlichkeit und Veränderungen ganz und gar beinhaltet. Die auf solche Weise herausgebildete Datenbasis können sich einerseits die Fachleute des Denkmalschutzes zunutze machen, z. B. wenn für Selbstverwaltungen der Region bei Siedlungserweiterung fachkundige Begutachtungen benötigt werden; anderseits kann diese Basis sowohl für Folkloreforscher oder Ethnographen, als auch für Kulturhistoriker und Religionshistoriker zu einer wichtigen Quelle werden.

c) Änderungen in der Volkskultur der ungarischen Volksgruppe in der Slowakei
Bevor die sogennante traditionelle Volkskultur total aufgelöst war, wurden die (auch) von Ungarn bewohnten ehemaligen Gebiete Oberungarns der Tschechoslowakei angegliedert (1918). Lehrreiche Ergebnisse brachten die untersuchungen danach, welche Wirkungen die Herschaftswechseln (1918, 1938, 1945, 1993), die Kollektivierung (1948-1952), bzw. die gesellschaftliche-politische Wende 1989 auf diese sich auch sonst ständig verändernde Volkskultur ausgeübt hatten. Das Forschungszentrum engagiert sich langfristig, eine solche ethnologische Zusammenfassung zustande zu bringen, die einerseits versucht, die Volkskultur der von Ungarn bewohnten Gebiete der Sowakei in der ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu rekonstruieren, und die andererseits diejenigen Wirkungen und Änderungen vorstellt, die in den vergangenen acht Jahrzehnten für diese Volkskultur von Bedeutung waren.
2. Dokumentation des erforschten Materials

Das Forschungszentrum für Europäische Ethnologie
a) pflegt und erweitert eine volks- und heimatkundliche Fachbibliothek
b) pflegt und erweitert eine allgemeine ungarische volkskundliche Datensammlung (Archiv) in der Sowakei
c) entwickelt und erweiter das Archiv für sakrale Kleindenkmäler

3. Veröffentlichung der Ergebnisse

a) Unter dem Titel Acta Ethnolgica Danubiana veröffentlicht das Forschungszentrum sein Jahrbuch, nicht nur in ungarischer und slowakischer Sprache, sondern gegebenfalls auch in Weltsprachen (wie deutsch, englisch)
b) Unter dem Titel Notitia historico-ethnologica veröffentlicht es eine Buchreihe von Forschungergebnissen mit kürzeren, allgemeinen ethnologischen, historischen und vergleichenden Themen.
c) In der Serie Lokale und regionale Monographien werden die Ergebnisse der monographischen Forschungen in der Region publiziert.
d) Unter dem Titel Interethnica werden die Ergebnisse der interethnischen Forschungen veröffentlicht.
e) In Zusammenarbeit mit der Bibliotheca Hungarica werden bibliographische Serien (Miscellanea Bibliothecae Hungaricae) unter anderen auch über die ungarische Volkskunde in der Slowakei herausgeben.
f) Das Forschungstentrum organisiert Fachseminare und (internationale) wissenschaftliche Tagungen

Publikationen des Forschungszentrums für Europäische Ethnologie

Hírharang (10. Jahrgang). Informationsheft herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Verband für ungarische Volkskunde in der Slowakei. Erscheint zweimal jährlich.

Unter Mitwirkung von L. Juhász Ilona Hg. von Liszka József: Szolgálatban (Im Dienst. Festschrift zum 70. Geburtstag von Musikfolklorist Tibor Ág). Dunaszerdahely 1998 /Notitia historico-ethnologica 1./

Nagy, Endre: Tardoskedd és Udvard földrajzi nevei (Flurnamen in Tardoskedd und Udvard). Dunaszerdahely 2000 /Notitia historico-ethnologica 2./

Acta Ethnologica Danubiana. Jahrbuch des Forschungszentrum für Ethnologie 1. (1999). Dunaszerdahely 2000

L. Juhász, Ilona: Szlovákiai magyar néprajzi bibliográfia – Volkskundliche Bibliographie zur ungarischen Volksgruppe in der Slowakei 1987-1988. Dunaszerdahely 1998 /Miscellanea Bibliothecae Hungaricae 1./

L. Juhász, Ilona: Szlovákiai magyar néprajzi bibliográfia – Volkskundliche Bibliographie zur ungarischen Volksgruppe in der Slowakei 1989-1990. Dunaszerdahely 1999 /Miscellanea Bibliothecae Hungaricae 2./

L. Juhász, Ilona: Szlovákiai magyar néprajzi bibliográfia – Volkskundliche Bibliographie zur ungarischen Volksgruppe in der Slowakei 1991-1992. Dunaszerdahely 2000 /Miscellanea Bibliothecae Hungaricae 3./

L. Juhász, Ilona: Szlovákiai magyar néprajzi bibliográfia – Volkskundliche Bibliographie zur ungarischen Volksgruppe in der Slowakei 1993-1994. Dunaszerdahely 2000 /Miscellanea Bibliothecae Hungaricae 4./

Viga Gyula (Hg. von): Kisgéres. A település változó népi kultúrája (Kisgéres – Malý Horeš. Die Volkskultur des Dorfes in Änderungen). Dunaszerdahely 2000 /Lokale und regionale Monographien 1.)

In Vorbereitung

Acta Ethnologica Danubiana. Jahrbuch des Forschungszentrums für Europäische Ethnologie 2-3. (2000-2001). Dunaszerdahely 2001

Liszka József: A szlovákiai magyarok néprajza (Die ungarische Volkskunde in der Slowakei). Budapest-Dunaszerdahely 2001

L. Juhász, Ilona: A temetkezési szokások és a temetőkultúra változásai a 20. században. Rudnai példa (Die Änderungen der Begregnisbräuchen und der Friedhofkultur in 20. Jahrhundert. Beispiel Rudna). Dunaszerdahely 2001 /Notitia historico-ethnologica 3./

L. Juhász, Ilona: Szlovákiai magyar néprajzi bibliográfia – Volkskundliche Bibliographie zur ungarischen Volksgruppe in der Slowakei 1995-1996. Dunaszerdahely 2001 /Miscellanea Bibliothecae Hungaricae 7./

Bodnár Mónika: Etnikai és vallási viszonyok a Felső-Bódva völgyében (Ethnische und konfessionelle Verhältnisse in Oberen Bodva-Tal). Dunaszerdahely 2001 /Interethnica 1./

Benyovszky Károly: Pozsonyi mondák (Sagen aus Preßburg). Dunaszerdahely 2002 /Notitia historico-ethnologica 4./

Keményfi Róbert: A történeti Gömör és Kis-Hont vármegyék etnikai rajza (Ethnisches Bild des historischen Komitats Gömör-Kleinhont. Dunaszerdahely 2002 /Interethnica 2./

Tagungen

18.-21. Oktober. Komorn (Slowakei): XII. Internationale Ethnokartographische Tagung (Die Referate der Tagung werden im Band Nr. 2-3 des Jahrbuchs des Forschungszentrums, Acta Ethnologica Danubiana veröffentlicht)

Mai, 2002. Komorn (Slowakei): 16. Internationale Tagung für Kleindenkmalforschung (In Vorbereitung)

Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung. Neue Folge 37/38 (2001-2002), 130-134. p.

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